Während ich dies schreibe weile ich immer noch in meinem geliebten Sikinos. Und zwar an genau der Stelle wo ich am liebsten sitze: auf der Pergola, die Rebe ist mein Dach und gibt mir Schatten. Hier trinke ich meinen Morgenkaffee, hier lese ich, hier arbeite ich manchmal, und hier verbringe ich auch immer die letzte halbe Stunde bevor ich schlafen gehe.
Zwischen Juni und September hat sich die Insel immer wieder von einem neuen Gesicht gezeigt. Ruhe im Juni, sehr heiss im Juli, unglaublich viel Wind und noch viel mehr Menschen im August. Und jetzt ist wieder Ruhe.
Aber nicht nur die Insel hat sich verändert, ich merke das gleiche an mir. Ich bin unglaublich in Tune (im Einklang) mit der Insel, und so auch mit mir selber. Ich weiss gar nicht so genau wie ich das in Worte fassen kann. Meine Intuition war schon immer ziemlich gut, aber das hat sich jetzt noch wesentlich verstärkt. So weiss ich genau wann der Hirte an welchem Abend seine Herde unten auf der Terrasse (Sikinos besticht durch seine terrassierten Hänge) über Nacht weiden lässt. Und freu mich dann so am leisen Gebimmel der Glocken, dass ich noch nicht mal mein Buch weiter lese sondern nur noch zuhöre und geniesse.
Oder ich stehe unten am Anstieg zu unserm Dorf. Ich wollte eigentlich schnell nach Hause, weil es mir zu viel Trubel im anderen Dorf war. Nach den ersten (von 120) Stufen mache ich kehrt und nehme spontan den längeren Weg. Von dort aus sehe ich eine wunderbare Sternschnuppe, die ich sonst verpasst hätte.

Aber dann kam für mich die schönste Erkenntnis. Dass ich oft nicht wusste was genau für ein Tag es war, ist weiter nicht überraschend. Doch ich sass mal hier am Nachmittag und jemand fragte mich etwas, das gestern war? vorgestern? oder noch länger her? Ich schaute ziemlich verdutzt drein. Da hab ich das Wunderbare bemerkt: ich lebe total im Moment. Hatte ich lange angestrebt, ging nicht, weil ich wohl zu bestrebt war. Total logisch. Ich bin meistens ziemlich strukturiert, um nicht zu sagen kontrolliert. Und dies alles hatte sich einfach gelöst, was für ein grosses Geschenk!
Vielleicht geht es vielen so. Wenn man etwas sehr angestrengt oder gar verbissen angeht, kann genau dies hinderlich sein, das gewünschte Ziel zu erreichen.
Ich hab schon ein festes Ziel, das ich nicht dem Moment überlassen möchte. Meine Abreise. Ich freue mich sehr auf das Zuhause. Aber bis dahin lebe ich einfach so weiter, im Moment.
Und den Moment packe ich in meinen Koffer rein. Ich will ihn mitnehmen und immer wieder auspacken können.
Ich wünsche Dir auch solche Momente der kompletten inneren Ruhe. Es gibt schon einen kleinen Trick: Reiki.
Jetzt kommen bald Herbst und Winter, genau die Zeit für Ruhe und Einkehr. Ich wünsche Dir ganz viel davon. Namaste.
PS von René: Auf dem Foto kommt Mischa gerade vom Kochen auf ihre Terrasse mit der geliebten Pergola – in ihrer neuen Schürze. Diese kommt aus Japan und wurde von unserem Sohn mitgebracht. Der Schlaumeier.