Reiki und Wissenschaft

Was sagen die neuesten Studien?

Ist Reiki wissenschaftlich erwiesen? Was sagen wissenschaftliche Studien über Reiki? Dr. David Bolius, Reiki-Meister, berichtet von drei neueren Studien (Burnout, Kaiserschnitt, Depression) und stellt die Ergebnisse vor.

Im Jahr 2011 wurden drei wissenschaftliche Studien zum Thema Reiki veröffentlicht, mit erstaunlichen Ergebnissen. Reiki hält darin dem wissenschaftlichen, objektiven Experiment stand, das heißt: Der Effekt von Reiki war objektiv nachweisbar. Dieser Artikel fasst die Ergebnisse der drei Studien zusammen. Alle drei genügen den im folgenden Absatz vorgestellten, strengen Wissenschaftskriterien. Auch vor 2011 erschienen etliche Reiki-Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, auf diese wird hier jedoch nicht eingegangen.

Wissenschaftliche Studien: Was braucht es dazu?

Damit Studien im Gesundheitsbereich wissenschaftlich ernst genommen werden, müssen sie einige Voraussetzungen erfüllen: Die Studie muss an einer anerkannten Forschungsinstitution, z.B. einer Universität, einer Klinik oder einem Forschungsinstitut durchgeführt werden, und zwar von promovierten Wissenschaftlern bzw. solchen in Ausbildung. Die Ergebnisse müssen in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift, die dem Peer-Review Prozess unterliegt, veröffentlicht werden. Im Peer-Review Prozess werden die Durchführung der Studie und die Ergebnisse von einem unabhängigen Expertenteam auf Herz und Nieren geprüft, und nur im Fall der Gutheißung darf überhaupt veröffentlicht werden. Dieses System soll der Qualitätssicherung dienen und hat sich in der Wissenschaft als Standard durchgesetzt.

Reiki hält dem wissenschaftlichen, objektiven Experiment stand.

Darüber hinaus wird von Studien im medizinischen bzw. im Gesundheitsbereich in der Regel verlangt, dass diese im Doppelblindverfahren durchgeführt werden, d.h. weder die Studienteilnehmer noch die betreuenden Wissenschaftler bzw. Ärzte wissen während des Experiments, welche der Personen effektiv behandelt wird und welche nicht. Dazu werden üblicherweise die Studienteilnehmer per Zufallsprinzip entweder einer Kontrollgruppe oder einer Effektivgruppe, in der reale Behandlungen stattfinden, zugewiesen. Personen, die in der Kontrollgruppe landen, werden entweder gar nicht behandelt oder sie erhalten eine Placebo-Behandlung. Ansonsten durchlaufen sie aber alle Prozesse genauso wie die Personen der Effektivgruppe, das heißt sie erhalten zum Beispiel eine identische, zusätzliche medizinische Versorgung. Häufig werden in der Kontrollgruppe Placebo-Behandlungen durchgeführt, zum Beispiel in Form eines Placebo-Medikaments, das zwar aussieht wie ein Medikament, jedoch keinen Wirkstoff enthält. Durch den Vergleich der Veränderungen in der Effektivgruppe mit jenen Veränderungen, die in der Kontrollgruppe auftreten, werden Effekte erkannt, die nicht auf die untersuchte Behandlungsmethode zurückzuführen sind. Beispielsweise könnten in beiden Gruppen Genesungseffekte auftreten, einfach aufgrund der menschlichen Fähigkeit zur Selbstheilung, der Vergleich würde dies offensichtlich machen.

Das Doppelblindverfahren dient dazu, im Endergebnis etwaige Placebo-Effekte auszuschließen, die auftreten können, wenn behandelte Personen wissen, dass sie behandelt werden und daran glauben, dass es ihnen hilft. Erst wenn von einer Studie alle diese Voraussetzungen erfüllt werden, gelten Erkenntnisse formal überhaupt als wissenschaftlich. Daraus kann man leicht ableiten, dass die Durchführung solcher Studien in der Regel relativ aufwändig ist.

1. Studie: Reiki bei Burnout

Die erste der drei Studien, durchgeführt von einer Gruppe von Wissenschaftlern der Universität von Granada, beschäftigt sich mit dem Effekt von Reiki auf eine Gruppe von 18 Krankenschwestern, die unter Burnout litten. 1 Bemerkenswert war, dass hier nur einmalig über eine Dauer von 30 Minuten mit Reiki behandelt wurde. Die Hälfte der Krankenschwestern erhielt eine Reiki-Behandlung durch erfahrene Reiki-Anwender (Reiki-Gruppe), die andere Hälfte (Kontrollgruppe) wurde ebenfalls mit den Händen in Form einer Scheinbehandlung berührt, nämlich von Personen, die selber gar keine Reiki-Aktivierung erhalten hatten. Nach der Behandlung wurden die Patienten einer Reihe von Tests unterzogen: Blutdruck, Konzentration des Immunglobulin A (ein Antikörper zur Abwehr von Krankheitserregern) und Aktivität der Alpha-Amylase (ein Enzym, dessen Aufgabe der Abbau der Stärke ist). Es stellte sich heraus, dass der diastolische Blutdruck (das ist der zweite Wert einer Blutdruckmessung; er ist abhängig vom Widerstand in den Blutgefäßen) in der Reiki-Gruppe signifikant gesunken war und die Konzentration des Immunglobulin A markant zugenommen hatte. All dies war das Ergebnis einer einzigen Reiki-Behandlung. Diese und andere Beobachtungen seien in den Augen der Wissenschaftler Indizien, dass kurze aber effiziente Entspannungssitzungen wie mit Reiki auf signifikante Weise die negative Auswirkung von Stress auf das Immunsystem ausgleichen können. Die Tatsache, dass solche biologischen Veränderungen in so kurzer Zeit erreicht wurden, zeige das Potential, auch klinisch relevante Verbesserungen der Gesundheit zu erreichen.

2. Studie: Fernreiki für Frauen mit Kaiserschnitt

Die zweite Studie wurde an der Universität Toronto durchgeführt.2 Sie befasst sich mit dem Thema der Reiki-Fernbehandlung und ist nach Wissen des Autors die einzige wissenschaftliche Studie zurzeit, die sich ausschließlich mit dem Thema Reiki-Fernbehandlung auseinandersetzt. In anderen Studien, die Reiki-Fernbehandlung erwähnen, wurden jeweils auch andere Formen der Fernbehandlung untersucht, wie Gebet, Meditation oder indianische Heilkunst. Ein Teil dieser Studien wurde hier bereits vorgestellt (siehe Reiki Magazin, Ausgabe 2/2012).

Ziel der Studie war es herauszufinden, ob Reiki einer Gruppe von Müttern nach einem Wunschkaiserschnitt bei der Schmerzbewältigung hilft. Untersucht wurde eine Gruppe von 80 Frauen, die in eine Reiki-Gruppe und in eine Kontrollgruppe von je 40 Personen unterteilt wurden. Die Frauen wussten nicht, welcher Gruppe sie zugeteilt waren. In der Kontrollgruppe erhielten sie keine Fernbehandlung, während die Teilnehmerinnen in der Reiki-Gruppe drei Fernbehandlungen erhielten, und zwar vor dem Eingriff sowie 24 und 48 Stunden nach dem Eingriff. Eine Fernbehandlung dauerte 20 Minuten, und alle Fernbehandlungen wurden von derselben Person durchgeführt.

Die Ergebnisse wirkten zunächst ernüchternd: Der Vergleich der Reiki-Gruppe mit der Kontrollgruppe ergab, dass in puncto Schmerzbewältigung keine signifikanten Unterschiede vorliegen. Dies galt auch für den Bedarf an Schmerzmitteln, wo ebenfalls keine signifikanten Unterschiede gefunden wurden. Auch im Abheilungsprozess waren die beiden Gruppen im Mittel nicht unterscheidbar. Jedoch wurde herausgefunden, dass der Herzschlag in der Reiki-Gruppe im Durchschnitt signifikant tiefer als in der Kontrollgruppe war (74.3 im Vergleich zu 79.8 Schläge pro Minute). Darüber hinaus lag auch der systolische Blutdruck (das ist der erste Wert einer Blutdruckmessung; er spiegelt den maximalen Druck im Herzen wider) in der Reiki Gruppe signifikant tiefer als in der Kontrollgruppe (106.4 vs. 111.9 mm Hg).

Die Autoren kommen daher zur Schlussfolgerung, dass in Bezug auf die untersuchte Fragestellung Reiki Kaiserschnittpatientinnen nicht bei der Schmerzbewältigung hilft und sie es deswegen nicht zur Schmerzbewältigung empfehlen können. Trotzdem räumen die Autoren ein, dass sie bezüglich Blutdruck und Puls Unterschiede bei den Frauen, die Reiki bekommen haben, gefunden haben. So gesehen wurde ein Effekt der Reiki-Fernbehandlung bestätigt, der objektiven statistischen Kriterien standhält.

3. Studie: Reiki bei Depression

Die dritte Studie wurde von drei Wissenschaftlern an der Universität in London durchgeführt.3 Dabei wurde die Frage untersucht, ob Reiki Menschen mit leichter oder schwerer Depression und/oder Ängsten hilft, bei ihren Symptomen Verbesserung zu erfahren. Dazu wurden 40 Studenten per Zufallsprinzip der Reiki-Gruppe bzw. der Kontrollgruppe zugeordnet, sodass beide Gruppen jeweils 20 Personen umfassten. Die Personen der Reiki-Gruppe erhielten sechs Reiki-Behandlungen zu je 30 Minuten über einen Zeitraum von zwei bis acht Wochen. Die Studenten wurden bei der Behandlung nicht berührt und waren sowohl visuell als auch durch eine geführte Meditation abgelenkt, sodass sie nicht mitbekamen, ob sie behandelt wurden oder nicht. Es wurden Veränderungen der Schlafqualität, der Stimmung und der Krankheitssymptome untersucht, und zwar nach Abschluss der Reiki-Behandlungen sowie fünf Wochen danach.

Dabei zeigte sich in der Reiki-Gruppe bei den Krankheitssymptomen keine signifikante Verbesserung gegenüber der Kontrollgruppe. Gleiches galt auch für die Schlafqualität, es wurden also keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden. Jedoch ging das Stressniveau in der Reiki-Gruppe, verglichen mit der Kontrollgruppe, deutlich zurück, und zwar für die Studienteilnehmer mit schwerer Depression. Bei den Ängsten zeigte sich in der Reiki-Gruppe eine Tendenz zur Verbesserung, diese war jedoch nicht signifikant. Aufgrund des Fragebogens, den die Teilnehmer zur Auswertung bekamen, wurde auch eine neue Kenngröße errechnet, die die Summe aus Depressivität, Angst und Stress darstellte. Diese Kenngröße verringerte sich in der Reiki-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe ebenfalls signifikant, das galt wiederum für die Studienteilnehmer mit schwerer Depression.

Schlussfolgerungen & Interpretation

Bei der ersten Studie ließe sich auf Expertenebene die Tatsache, dass nur einmalig mit Reiki behandelt wurde, als Einwand gegen die Ernsthaftigkeit der Durchführung gebrauchen. Denn man könnte den Autoren vorwerfen, dass sie an Tiefgang gar nicht interessiert waren und dass die gefundenen Ergebnisse doch nur Anreiz sein sollten, ein aufwändigeres Experiment mit mehr Aussagekraft durchzuführen. Es bleibt aber die wichtige Botschaft, dass sich wissenschaftlich nachweisbare Effekte am Menschen schon nach einer einzigen durchgeführten Reiki-Behandlung manifestieren. Vom Tisch gefegt ist damit die Vorstellung, Reiki sei wissenschaftlich nicht nachweisbar.

Bei der Fernreiki-Studie ist es meines Erachtens nach als ein positives Zeichen zu werten, dass überhaupt Effekte durch Fernreiki nachweisbar waren. Menschen, die mit der Vorstellung einer Reiki-Fernbehandlung Mühe haben, können wir damit entgegnen: „Der Effekt ist auch wissenschaftlich nachweisbar, das kannst du jederzeit gerne nachlesen.“ Die Studie lässt hoffen, dass zukünftige Experimente noch mehr Effekte ans Licht bringen. Aus meiner Sicht ist dies besonders dann wahrscheinlich, wenn einerseits mehr Parameter untersucht werden, da Reiki sich ja häufig dort positiv bemerkbar macht, wo es gar nicht erwartet wurde. Andererseits würde ich mir auch ein Studiendesign wünschen (siehe 2. Studie), wo angesichts der Größe eines solchen Eingriffs (Kaiserschnitt) noch mehr Reiki-Behandlungen für die jeweilige Patientin durchgeführt werden.

Die dritte Studie belegt, dass Menschen mit schwerer Depression sehr gut von Reiki profitieren können. Das gilt nicht so sehr für deren Krankheitssymptome, sondern vor allem im Bereich Stress wie auch was die Lebensqualität allgemein angeht. Dies lässt sich sagen, da die Kenngröße, die die Summe aus Depressivität, Angst und Stress darstellte, sich auch leicht als Lebensqualität interpretieren lässt. Und eben diese Kenngröße verbesserte sich deutlich. Diese Studie war allerdings auch jene, die am schwierigsten zusammenzufassen und wiederzugeben war. Grund dafür waren ihre Komplexität, die unzähligen Einzelergebnisse und ein unklarer Schreibstil. Ich kann die Studie daher nur bedingt zur Argumentation für Reiki weiterempfehlen, da sie aus meiner Sicht einfach zu unübersichtlich ist.

Schlussfolgerung:

Vom Tisch gefegt ist damit die Vorstellung, Reiki sei wissenschaftlich nicht nachweisbar.

Quelle:

Die einzelnen Studien sind im pdf-Format im Internet frei zugänglich. Zur Recherche empfiehlt sich die Website http://scholar.google.com/

1 Lourdes Díaz-Rodríguez, Manuel Arroyo-Morales et al., The application of Reiki in nurses diagnosed with Burnout Syndrome has beneficial effects on concentration of salivary IgA and blood pressure. Rev. Latino-Am., 2011, Sep.-Oct.;19(5):1132-8, www.eerp.usp.br/rlae

2 vanderVaart S, Berger H, Tam C, et al. The effect of distant reiki on pain in women after elective Caesarean section: a double-blinded randomised controlled trial. BMJ Open 2011; 1:e000021. doi:10.1136/bmjopen-2010-000021

3 Deborah Bowden, Lorna Goddard, and John Gruzelier. A Randomised Controlled Single-Blind Trial of the Efficacy of Reiki at Benefitting Mood and Well-Being. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Volume 2011, Article ID 381862, 8 pages. doi:10.1155/2011/381862

2014 besuchten ibH Vertreter aus der Schweiz das Unfallkrankenhaus Berlin. Claudia Möri gab dort eine Präsentation . Das gezeigte Foto ist ein Screenshot aus der dazugehörigen Dokumentation. 

Veröffentlicht:

Reiki-Magazin 2/2014