Drei Gelehrte zum Thema Initiation. Entzaubernd oder erleuchtend?
Das Herz von Reiki ist die Initiation. Jene Handlung, die den Zugang zu reiki ermöglicht, quasi die Hände des Teilnehmers auf die „Reiki-Energie“ sensibilisiert. Eine Abhandlung.
Dori Beeler (USA), Liad Horowitz (Israel) und Jojan Jonker (Niederlande):
Initiation – Zugang zu Reiki, eine Abhandlung von Beeler, Horowitz, Jonker
Diese PDF beinhaltet die Deutschübersetzung und Erklärung zu Fachausdrücken sowie den englischen Originaltext.
Betrachtungswinkel
Die Antwort liegt im Betrachtungswinkel. Für einige Reiki-Stile mag die Arbeit Neues, Kontroverses zur bislang geltenden Lehrmeinung beinhalten. So wird zum Beispiel in Frage gestellt, ob es überhaupt eine ununterbrochene Meister-Einweihungslinie aus der heutigen Zeit zurück bis zum Gründervater Mikao Usui (1865-1926) geben kann. Andere sind schockiert darob, dass zur Gründerzeit nur eine einzige Form der Initiation für alle Grade bestand. Bei diesen Beobachtungen ist in Betracht zu behalten, dass Usui erst 1922 Reiki formierte und die Initiation erst in den letzten 3 Jahren vor seinem Tode zu einem Thema wurde.
Es zeigt sich auch, dass die Chakra Lehre bei Usui kein Thema war und sie mit der Fortentwicklung der Initiations-Handhabung Einzug erhielt. Aufschlussreich auch, dass aus den kulturellen Wurzeln im Shintō und im Buddhismus bereits Differenzierung zwischen „Einweihung“ und „Einstimmung“ erkenntlich sind. Das deckt sich mit unserem heutigen Verständnis.
Herzeinweihung und die anderen Chakren
Als Mischa und ich 1990 dazu kamen war die Reiki Geschichte schlicht noch nicht wirklich erforscht. Unsere Lehrer wussten allerdings bereits, dass vieles der mündlichen Überlieferung eher Legende als historischer Fakt waren. Aber eben, letzteres war nirgends publiziert. Das änderte sich 1997 mit Reiki Feuer, dem damals revolutionären Buch von Frank A. Petter. In den letzten Jahren haben sich dann Historiker ans Werk gemacht und Abhandlungen und Doktorarbeiten dazu geschrieben.
Die wesentlichste Erkenntnis für uns war, dass die vier Einweihungen im Reiki 1 wie wir sie heutzutage praktizieren nicht von Usui in dieser Form überliefert wurden, sondern sie sich mit dem Einbezug der Chakra Lehre im Verlaufe der Zeit weiterentwickelt hat, bzw. angepasst wurden. An welcher Stelle – von Chujiro Hayashi (1880-1940) zu HawayoTakata (1900-1980) und von ihr zu uns in den Westen – die Chakren miteinbezogen wurden, ist noch nicht eindeutig dokumentiert. Aus Gesprächen mit Gelehrten entnehme ich, dass dies möglicherweise schon zu Hayashis Zeit geschehen ist.
„Eine Familie.“
Fazit der Arbeit
Die Schlussfolgerung der Gelehrtenarbeit hat einen sehr versöhnlichen Charakter, denn sie betont, dass die modernen Formen der Initiationen nicht nur wirksam sind und bleiben, sondern dass sie alle in Usuis Ursprungshandhabung verwurzelt sind. Ja, die Kernaussage am Ende ist, dass wir alle Stämme ein und derselben Familie sind.
Meine eigene Betrachtung?
Nichts im Artikel stösst bei mir auf Ablehnung. Im Gegenteil, ich sehe vieles bestätigt, das in Mischas und meiner Tradition vermittelt wurde und wir weiter tragen. Nicht zuletzt die (Herz-) Initiation wie wir sie in unserem 3A Umfeld praktizieren. Ehrlich gesagt, hat mir das Herz gejubelt als ich das Dokument las und ich war unseren Reiki Lehrern gegenüber von grosser Dankbarkeit überwältigt. John und Esther Veltheim hatten übrigens schon 1995 das wegweisende Buch Reiki – the science, metaphisics and philosophy herausgegeben.
Überhaupt erkenne ich vieles unserer modernen Handhabung in den Erforschungen der kulturellen Herkunft der Initiation wieder. Wurzeln die viele Jahrhunderte zurückgehen. Das passt. Es erfüllt mich mit freudiger Genugtuung und mit Sehnsucht nach noch tieferen Erkenntnissen.
Initiation ist mehr
Gerne hätte ich es gesehen, wenn der Artikel die Elemente „Einstimmung“ und vor allem „Einweihung“ ausführlicher ausgeleuchtet hätte. Teil unserer eigenen Tradition ist, dass Initiation mehr ist als „nur“ das Freischalten von reiki. Gerne bezeichne ich dieses „mehr“ als „spirituelles Geschenk“. An der Schwammigkeit dieses Begriffes kann man gut erkennen, dass dieses Thema wohl eine ganz eigene Abhandlung verdienen würde. Im Übrigen ist die entsprechende Information im Artikel nicht die zentrale Aussage und somit kann mein persönlicher Wunsch nicht als Kritik verstanden werden.
Meistersymbol
Nichtsdestotrotz, das Thema Initiation (Einweihung) ist sehr komplex und es ist existentiell für Reiki. Deshalb hoffe ich auf weitere Forschungsarbeit wie sie in dieser Abhandlung angesprochen wurde. Zum Beispiel zur Meisterinitiation und den Zusammenhang zum sogenannten „Meistersymbol“. Insgeheim hoffe ich, dass dann einige der spekulativen Ansätze in meinen eigenen Studien der alten Reiki Geschichte Bestätigung erhalten. Ich freue mich darauf.
Die besondere Qualität der Gelehrten

Therapeuten und Lehrer, die täglich an vordersten Front sind, sprechen gelegentlich vom Elfenbeinturm der Akademiker und spielen auf deren Distanz zur sogenannten Realität an. Umgekehrt ist es auch wahr, dass Praktiker meist mit ihren eigenen Reiki Stilen und Meinungen vorbelastet sind, die wiederum im ursächlichen Zusammenhang mit vielen der Probleme in der Reiki Welt stehen („Meine Reiki-Praxis ist besser als Deine“). Wissenschaftler sind von Haus aus der Unvoreingenommenheit und Objektivität verpflichtet und das ist neben dem Inhalt die besondere Qualität der Gelehrtenarbeit. Das vorliegende „Initiations“ Dokument ist wichtig. Nicht zuletzt, weil es von neutralen, sachlichen Akademikern kommt.
Zukunft
Am meisten freue ich mich auf „interdisziplinäre“ Arbeiten. Was heisst das? Nun, es sind drei Geisteswissenschaftler, die den Artikel geschrieben haben. Ich bin froh darob und dankbar dafür. Aber noch viel spannender wird es für mich, wenn diese Erkenntnisse zum Beispiel mit der Physik oder Medizin verzahnen. In ERG gibt es eine Gruppe Akademiker der Geistes-und der Naturwissenschaften. Diese Interdisziplinarität reicht der Gruppe aber noch nicht. Sie ziehen auch erfahrene Praktiker mit ein und so habe ich meine Finger am Puls des Geschehens. (Das alleine wäre ein guter Grund gewesen, ERG mitzugründen …) Fortsetzung folgt.

René
Das Foto zeigt Mischa in der Aula eines Gymnasiums in Nordportugal anlässlich einer Abschlussarbeit zum Thema Depression unter Jugendlichen. Sitzend hinter ihr die Abschlussschülerin und Dr. Jojan Jonker, Koautor der vorliegenden Abhandlung. Er hat mit seiner Doktorarbeit ‚Reiki – The Transmigration of a Japanese Healing Practice‘ promoviert.
* Reiki ist so geschrieben, wenn Lehre und Praxis gemeint ist und reiki ist so geschrieben, wenn es sich gezielt auf das energetische Phänomen „aus dem Ursprung des Lebens“ (Zitat ProReiki) bezieht.