Aussöhnung – weshalb grade ich?

Reiki Menschen sollten ausgeglichen, harmonisch, unaufgeregt und frei von Streitereien sein. Meister sowieso. Dem ist nicht so! Mindestens nicht so lange diese Menschen nicht frei von altem Ballast und auf allen Ebenen ihres Daseins gesund sind. In anderen Worten: nicht solange sie nicht völlig erleuchtet sind.

Da unsereins wenigen wirklich Erleuchtenden begegnet, empfiehlt es sich, vom Mitmenschen nicht zu erwarten, dass er am Ziel bereits angekommen ist – allerdings meine ich, dass man insbesondere von einem Reiki Meister erwarten darf, dass er das Ziel anstrebt.

Persönlich denke ich, dass Versöhnung jedem Menschen zu empfehlen ist – mit und ohne Reiki. 

Streben nach Aussöhnung

In meinem Leben bedeutet dieses Streben, im zwischenmenschlichen Bereich aufzuräumen. Zorn und Schmerz den Andere mir zugefügt haben, loszulassen. Das kann bedeuten, dass ich mich ihnen neu stelle. Nicht selten stellt sich heraus, dass sie gar nicht gemerkt haben, wie sie mich verletzt haben, dass sie kein Unrechtbewusstsein haben. Ihnen mit Klarheit gegenüber zu treten, ist letztlich für beide eine Chance zur Heilung. Natürlich stimmt das auch in umgekehrter Richtung, denn auch ich habe Anderen wehgetan. Ob Täter oder Opfer – beide sind besser dran, ins Reine zu kommen. Diesen Prozess nenne ich Aussöhnung.

Dazu gehört die Erkenntnis des Schadens, die Bereitschaft eine Entschuldigung einzufordern, bzw. sie anzunehmen, eine Einigung zur Wiedergutmachung. Begriffe wie Sühne und Vergebung oder Verzeihung tauchen in solchen Prozessen auf. Viele der einzelnen Schritte auf dem Aussöhnungsweg kann man nur symbolisch vollziehen. Zum Beispiel wenn das Gegenüber bereits tot ist oder eine Begegnung es zusätzlich traumatisieren würde. Im täglichen Leben sind Schuldspruch und Strafe Teil unserer Gerechtigkeitskultur. Diese Begriffe sind nicht Gegenstand dieses Artikels. Es geht hier nicht darum, gutzuheissen was der Andere tut oder ich selbst getan habe.

Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass jeder Mensch im Kerne seiner Existenz weiss, was Verzeihen wirklich bedeutet. Und es zutiefst will, ja es braucht, um ein freies Leben zu führen.

„Vererbung“

Bei uns auf der griechischen Insel – es leben gerademal 200 Menschen dort – gibt es welche, die sich nicht über den Weg trauen. Oft können sie ihre Ablehnung nicht erklären. Meist ist der Grund ein Überbleibsel eines Vorfalles innerhalb der Sippe, welcher zwischenzeitlich im Dunkel der Vergessenheit verschwunden ist. Derartige Unausgesöhntheit mag nicht „genetisch vererbt“ sein, aber sie belasten Beziehungen trotzdem über Generationen hinweg.

Für mich stellt sich somit die Frage, ob es denn nicht nur für mein eigen Seelenheil notwendig ist, sondern es  auch mit Blick auf meine Nachfolger verantwortungsvoll ist, wenn ich mich im wahrsten Sinne des Wortes ent-schuldige. Mich der Schuld entledige, die ich auf meinen Schultern trage,  Andere von der Schuld(zuweisung) befreie, die ich auf ihre Schultern gehäuft habe. Im Hier und Jetzt, am besten solagnge das Gegenüber noch lebt. Es ist eigentlich keine offene Frage, sondern nur zusätzlich motivierende Erkenntnis.

Damals, heute und 2022

Usui hatte möglicherweise Unstimmigkeiten mit Hayashi; vielleicht hatte Hayashi Krach mit anderen Usui Meistern. Und Takata stand er anfänglich auch ablehnend gegenüber. Sie wiederum hinterliess einen zankenden Haufen. Ich mach’s mir hier ziemlich einfach, ich gestehe es ein – meine Ahnen mögen es mir nachsehen. 

Ich bin der Überzeugung, dass Menschen die Fähigkeit haben, sich über Streit hinaus zu erheben, alte Zöpfe abzuschneiden, alte Muster loszulassen. Manchmal scheint Verzeihen schwierig, manchmal meinen wir, es erniedrige uns. Dazu meint Bischof Tutu im Gespräch mit dem Dalai Lama: „Wer denkt, Verzeihen sei ein Zeichen der Schwäche, der hat es noch nicht probiert.“*

Die Auseinandersetzungen in der Vergangenheit sind wahrscheinlich wichtige Erfahrungen gewesen, dass Entwicklung zum heutigen Stand hat stattfinden können. Jede Entwicklungsstufe bietet neue Chancen.

Viele Indizien deuten darauf hin, dass die Zeit für die Reiki-Gemeinschaft nun gekommen ist, sich von Altlasten zu befreien. Die Geschichte erst wird zeigen, ob dies tatsächlich so ist. Und ob wir das geschafft haben. In diesem Sinne habe ich das Projekt „Aussöhnung in der Reikiwelt“ ins Leben gerufen wie es sich auf reiki-conciliation.org anbahnt. Das dazugehörenden „Visions-Video“ enthält deutsche Untertitel (CC oder Einstellung anklicken).

Reiki wurde erst 1922 von Usui „entdeckt“. In 5 Jahren, 2022, werden wir das 100 jährige Jubiläum feiern. Bereits ist von einer Gruppe von Reiki Meistern angedacht, dass es eine grosse, internationale Feier mit allen Reiki Stilen geben soll. In Japan auf dem Berge Kurama. Zuvor ist Aussöhnungsarbeit angesagt. Let’s do it! Bitte, liebe Newsletter- und online-Leser, unterstützt mich dabei.

Alles Liebe.

René

*Das Video mit Tutu/Dalai Lama ist hier auf unserem Kanal:  bitte unbedingt abonnieren, damit wir einen ordentlichen Namen von YouTube bekommen.

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  • „Wieso gerade ich?“ Gegenfrage: „Wieso NICHT ich?“ Diesen (inneren) Dialog kenne ich sehr gut, vielleicht auch andere. Diese Fragen können im Zusammenhang mit der Verantwortung für sich selbst gestellt werden. Es gibt Situationen, in denen man sich ärgert und sieht, was getan werden müsste. Dieses Tun siedeln wir dann beim anderen an. Doch: vielleicht sieht unser Gegenüber diese Situation ganz anders? Es stört UNS etwas daran und weshalb sollten wir dann die Verantwortung abschieben, das Tun weitergeben? Weshalb auf Veränderung des anderen warten? Wir können gleich handeln („Ich tue es einfach!“) und die Verantwortung für uns selbst und unsere Gefühle übernehmen. So gewinnen wir Zeit und können selber etwas zur Besserung beitragen. Unser Gegenüber wird dies spüren und sich ev. ebenfalls auf den Weg machen. Wundervoll, wenn man sich dann auf halbem Weg begegnet … 🙂

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